haunibeinl

ernüchterung

das musste so kommen. nach dem letzten eingriff war ich ja auf wolke 7 zusammen mit den bienchen. es war so richtig gemütlich, entspannt, ruhig. mal kurz hallo gesagt, wie gehts so. passt alles, tschüß bis bald. doch diesmal war alles anders.

der plan war, einen ableger zu bilden. ich hab ja erst einen schwarm gefangen, weitere sollten bisher nicht folgen, und die schwarmzeit geht mit johanni vorbei (so sagt der volksmund). ein volk ist mir aber zu wenig, außerdem kann flexibler gearbeitet werden mit mehreren völkern. zwei solltens am anfang schon mindestens sein, bei problemen im einen volk gibt’s wenigstens noch ein zweites: ist ein volk schwach, kann es vom anderen unterstützt werden, sind beide schwach, können sie vereinigt werden, stirbt eines über den winter, so bleibt wenigstens noch eines zum teilen, oder zumindest muss nicht ganz von vorne begonnen werden.

wenn ich aber keinen schwarm mehr kriegen kann, so muss ich einen ableger machen. mein buddy-imker wird mir das zeigen und eines seiner 25 völker für mich teilen.

in der theorie ist das ja ganz einfach (und in der praxis eigentlich auch): von einem starken volk werden die hälfte der brutwaben samt ansitzender bienen in eine leere beute gesteckt, ein oder zwei volle waben mit honig und pollen dazu, und den rest mit leeren rähmchen auffüllen. sind zu wenig bienen dabei, einfach noch ein paar von anderen rähmchen in die beute schütteln. und wird das alles früh am morgen gemacht, sind auch noch die meisten flugbienen zu hause, also können die auch gleich mitübersiedelt werden (die beste zeit um nektar zu sammeln ist angeblich so gegen 15uhr, dann sind auch die meisten flugbienen unterwegs).

das resultat: zwei völker, je halb so stark wie vorher, aber beide mit brutwaben und honigreserven. das ist auch ein großer vorteil gegenüber einem schwarm, denn wird brut aus einem bestehendem volk genommen, sind alle stadien der brutentwicklung dabei: eier, larven, verdeckelte brut und gerade schlüpfende bienen. es bleibt also ein kontinuierliches schlüpfen. ein schwarm hingegen muss ja erst mal frische waben bauen, bevor darin eier gelegt werden können und es vergehen schon mal 4 wochen bis die erste biene schlüpft.

allerdings hat ja ein volk nur eine königin. das bedeutet, bei einer teilung hat auch nur eines der zwei völker die königin. was nun? nichts. ein grundsatz der naturnahen imkerei könnte lauten: lass die bienen machen. die wissens besser als du. und genau so ist es auch: das volk mit der königin ist einfach nur ein kleineres volk als vorher, aber brut da, vorräte da, königin da, bienen da. alles paletti. im anderen volk ohne königin werden die bienen langsam aufmerksam. oh nein, die königin ist weg. also flugs eine neue gebastelt. geht nicht? gibt’s nicht. (wie das genau funktioniert, steht bald in den basics) und kurze zeit später ist alles wie zuvor. (es könnte auch eine königin zugesetzt werden, wenn welche nebenbei gezüchtet wurden. königinnen können übrigens auch gekauft werden, von zuchtbetrieben – hochgezüchtet und oft künstlich begattet. wer’s mag…)

jedenfalls steh ich um 9 uhr morgens bei meinem buddy, er erfahren und alt, ich jung, unerfahren und naiv. und los gehts. deckel runter, bam, waben ziehen mit gewalt und wieder reinstecken, kästen runterheben und auf den boden knallen. nichts mit ruhe, keine sanftmut. bienen werden gerollt und gequetscht, reihenweise zerdrückt. zack zack geht das. hier arbeitet jemand. mit der routine von jemandem, der das schon jahrzehntelang macht.

ich steh daneben und seh zu, meine stimmung sinkt irgendwie in den keller, und proportional dazu die der bienen. smoker nimmt er keinen, wasser auch nicht. wir sind umschwirrt von tausenden bienen. zuerst freu ich mich noch über einzelne tierchen, die mir über die finger krabbeln, sogar über die eine, die mir mitten auf die große zehe kackt. aber bald werden die tiere agressiver. so will ich aber nicht arbeiten. muss das sein?

wir suchen die königin auf einzelnen waben, ich soll sie behalten dürfen. gefunden, schön ist sie. ein prachtstück. und dann, in der immer gereizteren stimmung, zack. der erste stich. mitten am daumen. und noch einer gleich hinterdrein, in die kniekehle. ok, das war’s für mich. kömma bitte heimgehn?

ein paar minuten später ist der spuk vorbei und ich kann die beute mit dem ableger gleich mitnehmen. aber freuen kann ich mich nicht so richtig…

ich kann’s ja verstehen. 25 oder mehr völker zu „bearbeiten“ ist anstrengende arbeit, da bleibt nicht viel zeit für großen sanftmut. ein paar bienen zwequetscht? wen kümmert’s. bestimmt tragen auch das alter, die erfahrung und die routine zu dieser arbeitsweise viel bei. mir hat diese erfahrung jedenfalls den kuchen madig gemacht. als hätte mir jemand in den champagner gepinkelt.

das mag jetzt ja naiv klingen, aber ich habe da eine kleine anforderung an mich selbst: ich will ästhetik bei der arbeit. das macht mir selbst die arbeit schöner, und ich mache sie lieber und gewissenhafter. arbeiten am bienenvolk in aller ruhe, mit sanftmütigen bienen, vorsichtigen bewegungen, das ist ästhetik pur, und führt zu zufriedenheit mit sich selbst und gelassenheit im bienenvolk. außerdem zeugt es von respekt den bienen gegenüber. und den haben sie sich ja wohl verdient.

ist meine meinung dazu. möglich, dass dieser anspruch für eine berufsimkerei mit 150 völkern nicht geltend zu machen ist. aber damit liegt zumindest für mich ein faktor für eine begrenzung der betriebsgröße vor: maximal so viele völker, wie in aller ruhe und mit gebührendem respekt bearbeitet werden können. für ein streß- und stichfreies imkern. amen.

Dieser Beitrag wurde am 17. Juni 2012 um 16:12 veröffentlicht. Er wurde unter Uncategorized abgelegt und ist mit , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

9 Gedanken zu „ernüchterung

  1. Erstmal: Sehr ansprechender Blog – mein Kompliment!

    Mir gefällt besonders, was Du am Schluss schreibst. Ich bin eine ganz große Freundin von… ähm. Wie sagt man bloß… Dinge nur so und so lange zu machen, wie sie Freude bereiten jedenfalls. Mich wundert es zumindest nicht mehr, dass junge Menschen heutzutage keine „Bauernhöfe“ mit hunderten von Hektaren mehr übernehmen möchten. Und so ein Peak ist schnell mal erreicht :)

    Mach weiter so und viel Freude mit den Bienen!

    Lisa

    • hej hej lisa,
      vielen dank!
      stimmt voll. je gröszer der betrieb desto weiter entfernt mensch sich vom boden, im metaphorischen, wie im wortwörtlichen sinne (wegen gröszerem traktor…). grösze gibt halt eine gewisse effizienz in der arbeit vor. mir ist vollkommen verständlich, dass jemand mit 50 oder mehr bienenvölkern eine raue umgangsform zu tage legt, bedingt durch den zeitdruck. geht wahrscheinlich nicht anders. aber ob das erstebenswert ist, ist eine andere frage…
      euch auch vielk erfolg mit dem experiment! vielleicht treffen wir uns mal, so weit sind wir ja nicht voneinander entfernt…
      ligru, max

  2. Das kann auch ich gut verstehen, daß sowas einem die Suppe verhagelt. Wir sind auch Solche, die jedes einzelne Bienchen vorsichtig in die Beute zurückschicken statt es eben mal wegzuquetschen. Auch deshalb haben wir Oberträger mit kleinen Leisten dazwischen- die OT rangerpückt, dann mit der Leiste ruhig und vorsichtig, die Bienen in die Wabe zurückgedrängt- das geht gut!
    Trotzdem: so einen Routinier zur Hand zu haben, das fehlt uns sowas von sehr- da würde ich sogar das ein oder andere ungute Gefühl in Kauf nehmen für …

    • hat halt immer alles zwei seiten… jedenfalls tuts auch hin und wieder gut, so etwas zu erfahren. immerhin lernt mensch dabei, dass auch die imkerei kein reines honigschlecken ist, sondern auch harte arbeit bedeuten kann…

  3. Hallo,

    bin gerade erst vorhin auf deine Seite gestoßen und es ist einer der sehr wenigen Blogs, bei denen ich die Texte wirklich durchlese.

    Ich habe genau deine Gedanken mit dem Imkern (anders, naturnah, extensiv, usw.). Die letzten beiden Absätze die du geschrieben hast klingen für mich fast wie ein Gebet.
    Du hast den Nagel absolut auf den Kopf getroffen.

    Auch deine Ausführungen in den letzten Artikeln sind für mich sehr hilfreich. Ich möchte nämlich in mein Permakultur-Projekt Bienen mit einbeziehen, vor allem weil durch die Bienenweide auch genug Nahrung vorhanden sein dürfte.
    Aber irgendwie hält mich das WirrWarr, welche Beute, Rähmchen, Varoa usw. davon ab. Auch dein gesagtes über die alten Hasen scheinen genau zu stimmen. Somit wäre ich ja wie mit meinem Projekt auch in der Bienenhaltung Einzelgänger.

    …..wunderbarer Blog…..kommt gleich in die Blogroll! ;-)

    Beste Grüße aus dem südl. bayerischen Wald und weiter so!

    Robert

    • hallo rob,

      vielen dank für die blumen! ja, es ist nicht immer leicht, anspruch und realität unter einen hut zu bringen. bienen zu halten ist eben gar nicht so einfach, vor allem, wenn mensch neue wege beschreiten will. da mangelt es oft an unterstützung von anderen imkern, oft aber einfach deswegen, weil sie nur ihr eigenes system kennen. aber nicht unterkriegen lassen, manche „alte hasen“ sind bemerkenswert tolerant. die meisten imker wissen, dass es sehr viele arten gibt, bienen zu halten, auch wenn sie nur ihre eigene gutheißen wollen.

      für rähmchenloses imkern siehe zum beispiel unter top bar hive nach, gibts einiges im netz, und hier einen tollenb blog mit erfahrungen dazu: http://fjonka.wordpress.com/

      hab auch grad in deinen blog reingeschaut, klingt sehr spannend! vor allem die sache mit der terra preta! hierzu ein linktipp: bei uns in der nähe gibts ein kompostwerk, die seit jahren terra preta erforschen und europas erste pflanzenverkohlungsanlage gebaut haben. die ergebnisse sehen erfolgversprechend aus: http://www.sonnenerde.at/sonnenerde-pflanzenkohle.93.htm

      viel spaß auch dir weiterhin, und ich bin schon auf bienengeschichten gespannt!

      ligru, max

      • Danke für die schnelle Antwort,

        bezüglich der Terra Preta habe schon so ziemlich alles im Netz durchforstet, auch die von dir genannte Seite. Ich habe letztes Wochenende selbst einen kleinen Film zur Herstellung produziert, denn ich allerdings noch kommentieren muss. Den werd ich dann in die Tube drücken!
        Bezüglich Top Bar Hive habe ich mich ja auch schon informiert. Da gibts von der LWG in Veitshöchheim gute PDF´s zum runterladen.
        Zunächst wollte ich ja mit der Bienenkiste starten. Dies erscheint mir aber mit der anheberei nicht so optimal. Dann habe ich mich mit der Ware Beute beschäftigt und geglaubt, ja, das ist´s. Bis ich dann einige Erfahrungen gelesen habe.

        Jetzt bin ich wieder bei Null und überlege mir schon ob ich nicht einen Imker frage, ob er nicht ein paar Kästen bei mir aufstellen will. Nahrung gäbs ja im Überfluss, auch jetzt Anfang November noch!

        Anyway, ich werde deinen Blog weiterhin aufmerksam weiterverfolgen!

        Robert

  4. Walter Reiter sagte am :

    hallo
    es ist schön zu lesen wie du deine gedanken und gefühle beschreibst :-)
    in den naturnahen völker der erde gab es meist (Älteste) die den stamm führten und menschen begleiteten , ihre wahren geschenke vom schöpfer verstärkten .
    heute gibt es leider diese menschen nicht mehr so sichtlich, sie leben im verborgenen .
    wenn wir diese menschen vermissen und nicht finden liegt es an uns selbst welche zu werden , du bist auf dem weg danke für deinen mut
    walter

    • lieber walter,

      vielen dank für deine netten worte! ob das mit mut zu tun hat, wird wohl erst in der retrospektive zu sagen sein. jedenfalls bleibt noch viel zu lernen… die guten gedanken alleine bedingen noch keine richtige praxis…
      ligru max

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