haunibeinl

fütterung der raubtiere

18 grad und regen, schon seit ein paar tagen, und weiterhin für die kommende woche. und das mitte juli. während sich die schwammerlsucher_innen freuen und auf die nächsten warmen tage warten, wo die pilze sprießen werden, bleiben die paradeiser im garten grün (gut, die braucht’s zumindest nicht für eine schwammerlsuppe). und mich stürzt das ganze in ein dilemma.

denn meine bienen haben hunger. bei den temperaturen fliegen sie kaum aus, und bei regen schon gar nicht. hocken nur fad in der beute rum. couchpotatoes. wegen schlechtwetter geschlossen. und um sich die zeit zu vertreiben und sich warm zu halten, fressen sie ihre vorräte. bloß, was wenn da keine sind, oder zumindest nicht genug? tja, dann muss wohl gefüttert werden. und da haben wir den salat.

üblicherweise wird bei der ernte ja aller honig entnommen. um dann den mangel an vorräten für den winter wieder auszugleichen, wird dann ein sirup aus zucker und wasser eingefüttert, den die bienen zu einem pseudohonig verarbeiten, in den waben einlagern und über den winter verbrauchen. ich will jedoch füttern vermeiden, indem ich einfach genug honig in den beuten belasse, und nur die überschüsse ernte. damit hab ich zum einen weniger arbeit, zum anderen ist wohl auch ohne große inhaltsstoffangaben ersichtlich, dass honig ganz andere qualitäten hat als zuckerwasser (honig = ca. 200 verschiedene inhaltsstoffe, futtersirup = saccharose + wasser). so soll das zuckerwasser den stoffwechsel der tiere negativ beeinflussen und sie langfristig anfälliger für krankheiten machen, während honig selbst heilende wirkstoffe enthält. so weit, so geplant. aber was mach ich, wenn ich noch keinen honig hab?

nebenbei ist mir wohl auch ein kleiner fehler unterlaufen. üblicherweise werden nämlich auch neue völker, ableger oder schwärme, ordentlich eingefüttert. die müssen ja erst mal alle waben neu aufbauen und sich fleißig vermehren, und dazu braucht’s klarerweise futter. schwärme bringen ja keine vorräte mit (außer einem vollen honigmagen der bienen, das reicht aber nur für ein paar tage), und auch ableger sind erst mal nur mit einigen futterwaben versorgt. ich hab mir aber – in meiner abneigung zum füttern – gedacht, da wird schon genug blühen, wiesenblumen und so, die werden sich schon genug finden. in meiner euphorie hab ich letztes mal sogar beim ablegervolk einen honigraum aufgesetzt, die zeit schien reif.

jetzt, zwei wochen später muss ich aber feststellen: die rähmchen im aufgesetzten honigraum sind – leer. nämlich wirklich leer, keine waben, noch nicht mal begonnen haben sie mit dem wabenbau. also dürfte es doch nicht genug zu holen geben auf den wiesen. das und die aussicht auf längere zeit regen und tiefe temperaturen lässt in mir den entschluss reifen: ich muss füttern. lieber schlechtes futter als gar keines – und verhungerte bienen. immerhin müssen die ja auch noch über den winter kommen…

also geradewegs zum bienenbeutentischler gefahren und futterzargen gekauft. einrichtungen zum füttern gibt’s ja viele, meinungen und erfahrungen dazu genauso. ich hab mich für diese methode entschieden:

und das geht so: die ganze zarge wird oben auf die beute aufgesetzt. der bereich vorne ist nach unten hin offen, da kommen die bienen rauf. durch die zwei eingefrästen spalten in dem mittelbrettchen gelangen sie in den schmalen bereich vor dem zweiten brettchen. dieses hat an der unterseite einen ganz feinen spalt, durch den das zuckerwasser vom großen raum auf der rechten seite durchrinnen kann (da ist auf dem bild schon sirup drin). die plexiglasabdeckung vorne bewirkt, dass die bienen wirklich nur in den schmalen bereich mit sirup gelangen, ohne sich im großen behälter zu ertränken. ausserdem kann so immer nachgefüllt werden, ohne mit bienen in kontakt zu kommen. und nebenbei bemerkt, beobachten durch ein fenster ist auch ganz nett… hier noch ein bild, hoffe das ist irgendwie verständlich:

hier sind die bienen schon fleißig am mampfen. die zwei langen schrauben sind übrigens nur als griffe gedacht, denn das brettchen ist nur gesteckt und kann herausgenommen werden. wozu auch immer (reinigung? für futterteig?).

nach ein wenig recherche hab ich auch etwas gefunden, um zumindest mein gewissen ein wenig zu beruhigen: bienentee. was ist denn das nun wieder?

um den zuckersirup ein wenig aufzuwerten, empfehlen manche imker_innen einen tee aus verschiedenen kräutern und blüten. rezepturen gibt’s einige im netz, ich hab mich für eine anthroposophisch angehauchte mischung aus 7 kräutern entschieden: brennessel, schachtelhalm, eichenrinde, schafgarbenblüten, kamillenblüten. baldrian hab ich keinen gefunden, und für löwenzahnblüten ist’s schon zu spät. stattdessen hab ich noch thymian dazugegeben. aufgüsse dieser pflanzen sollen die vitalkraft der bienen stärken, und die lichtinformation der blüten an das zuckerwasser weitergeben. äh, ja. ich hätte das ja ein wenig anders formuliert: die heilwirkung dieser kräuter ist bekannt, zb. enthält eichenrinde gerbstoffe, die gut für die verdauung sind, und mit blütenaufgüssen lassen sich vielleicht ein wenig der stoffe in den sirup kriegen, die sonst im nektar wären. klingt zwar nicht so romantisch, sagt im endeffekt aber das selbe aus (meiner meinung nach)… thymian kommt übrigens deswegen dazu, weil das ätherische öl mit dem wirkstoff thymol auch gegen die varroa-milbe eingesetzt wird. da dachte ich mir, kann nicht schaden. ja und diese aufgüsse werden nun mit zusätzlichem wasser und zucker im verhältnis 2:3 zu einem sirup vermischt und in die futterzargen gefüllt.

ob das ganze nun auch den bienen was bringt, wird sich zeigen. mir schmeckt der sirup jedenfalls. und den bienchen offensichtlich auch. von 6 liter sirup pro volk waren am nächsten morgen nur noch weniger als die hälfte übrig. über nacht vernascht. also couchpotatoes UND mitternachtssnackerinnen. wird zeit, dass die sonne wieder scheint…

ein nachtrag zur fütterung, falls sich jemand fragt, warum denn nicht immer honig als winterfutter im volk belassen wird: das ist eine einfache wirtschaftliche rechnung. ein kilo honig kann so ca. um 10 euro verkauft werden (jetzt mal von den neuen „designerhonig“-trends abgesehen). ein kilo zucker kostet im supermarkt schon nur ca. 1 euro, und für erwerbsimkereien, die das zeug palettenweise kaufen, wahrscheinlich nicht mal die hälfte. damit ist eigentlich schon alles gesagt. nur vielleicht zur besseren verdeutlichung: ein bienenvolk sollte für den winter und das anschließende frühjahr ca. 20 kilo honig eingelagert haben. eine erwerbsimkerei mit 100 völkern hätte demnach honig im wert von 20.000 euro „verschenkt“. für megalomanische großbetriebe im usa-stil mit 5000+ völkern darf selbst gerechnet werden… wieviel allerdings die gesundheit der bienen angesichts der aktuellen krisen und bedrohungen in zukunft wert sein wird (oder schon längst sein sollte), das ist eine andere frage.

Dieser Beitrag wurde am 15. Juli 2012 um 09:29 veröffentlicht. Er wurde unter Uncategorized abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

5 Gedanken zu „fütterung der raubtiere

  1. Ich musste grad lachen: „18°“, sagst Du, und „bei den Temperaturen fliegen sie kaum aus“- bei uns freuen sie sich geradezu, wenn sie’s so warm haben!!! Dann ist Hochbetrieb bei den Damen.
    Natürlich nicht bei Dauerregen- hier gibt’s den zum Glück nicht so, bloß ständige Schauern. Da nutzen sie jede Pause dazwischen, denn bei uns blüht grad die Linde. Sie hat die Hungerzeit bei unseren Bienen beendet und ist bei Euch sicher schon lange durch, gell?
    Zum füttern: im gekauften Ambrosia-Sirup ist schon noch’n büschen mehr drin als Saccharose und Wasser: andere Zuckerarten und Pollenanteile und so- aber sicherlich kann auch der nicht mit selbstgesammeltem Nektar mithalten, so viel ist klar.
    Die hiesige Demeter-Imkerin setzt ihren Bio-Zucker übrigens immer mit Kamillenblüten an, wg. der Heilwirkung

    • hej hej,
      ja das denke ich mir, nach deinen letzten einträgen nach zu urteilen… naja, sie fliegen schon ein wenig, selbst bei regen traun sich einige mutige raus, aber sie sind schon wesentlich träger. die temperatur macht sich bemerkbar… tja, linden gibt’s leider in der nähe keine (und ja, die wäre schon wieder verblüht), hier bei uns ist alles entweder obstbaum oder fichtenmischwald mit robinie…
      den ambrosia-sirup kenn ich nicht, werd mir das mal ansehen. danke für den tipp!

  2. Als ich beim suchen drauf stieß, daß NORDzucker der Hersteller ist, war ich verwundert- sicher gibt’s doch auch überall sonst Fertig-Zuckerwassermischung, würd‘ mich wundern, wenn nicht! Den Tee könnt‘ man zusätzlich noch unterrühren, dann hätte man unterschiedliche Zuckersorten PLUS Kräutersegen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: