haunibeinl

ein neues jahr…

lange ists wieder einmal her. viel ist geschehen, viel neues, aufregendes dazugekommen, deshalb war auch die zeit für den bienenblog zu knapp: zusammen mit meiner liebsten bin ich gerade dabei, eine soliarische landwirtschaft zu gründen, die solawi sepplashof.

was die bienen betrifft, gleich vorweg: die bienenstöcke schweigen. stille umgibt sie, wo andernorts schon reges treiben zu sehen ist. fliegen sollten sie, erste reinigungsflüge und frühe pollenquellen suchen. bei mir allerdings ist es ruhig, quasi stummer frühling.

schon im winter musste ich erkennen, dass auch das starke volk, der ableger, eingegangen ist. das war kein guter tag, da ging mir viel durch den kopf. hab ichs versaut? bin ich ein opfer? bringts das überhaupt? soll ichs lieber wieder lassen? und der anblick einer beute voller toter bienen neben glänzenden wintervorräten ist auch nichts für schwache nerven, vor allem, wenn schon eine beziehung zu den bienen aufgebaut wurde. klingt jetzt vielleicht abgedroschen. aber so gehts mir dabei…

nunja, der volksmund meint, aufgeben tut man nur einen brief. also weitermachen. und zuerst mal fehlersuche.

was war eigentlich geschehen? im november war noch reges treiben im stock zu vernehmen, es war ja noch lange relativ warm bei uns letztes jahr. das wurde mir wahrscheinlich auch zum verhängnis. denn im winter gibts noch eine wichtige aufgabe: die „restentmilbung“. dabei muss der stock vollkommen von milben befreit werden, denn bedingt durch den kurzen reproduktionszyklus können aus einigen wenigen milben, die im stock mitüberwintern innerhalb kurzer zeit einige tausend werden. und im frühjahr ist behandeln kaum möglich, weil da ja der großteil des honigs eingetragen wird, und der darf ja nicht kontaminiert werden.

für die restentmilbung hab ich mich für oxalsäure entschieden. eigentlich schaudert mir ja beim einsatz von chemie, noch dazu ist oxalsäure gar nicht so unproblematisch, auch für den menschen. aber dass der weg zur chemiefreien bienenhaltung noch ein weiter sein wird, hab ich ja leider schon beim anderen volk sehen müssen, und bei diesem hier ganz besonders.

das problem mit oxalsäure ist nun aber, dass das volk brutfrei sein muss, weil die säure nicht in die verdeckelten brutzellen hineinwirkt. und dort sitzen auch die varroa-jungtiere und nuckeln schon an den bienenlarven. also wartet man ungefähr bis mitte dezember, da sollten auch die letzten winterbienen schon geschlüpft sein, ausserdem muss es kalt sein, damit die bienen nicht ausfliegen mögen. denn nur dann kann die oxalsäure wirken: man mischt sie mit zuckerwasser und träufelt die lösung in die wabengassen, auf die bienen. so verteilen die bienen die lösung untereinander. ist es aber zu warm, flüchten sie, und mit ihnen die varroen.

eigentlich ist das ja brutal irgendwie. aber scheinbar notwendig. die kunst dabei ist, die lösung gerade so viel mit säure zu versetzen, dass zwar die varroen abfallen (die säure verätzt angeblich ihre fühler), die bienen aber keinen (oder nur einen geringen?) schaden nehmen.

jedenfalls war es zu lange zu warm, und ich konnte die behandlung nicht durchführen. als es endlich kälter wurde, wars für die behandlung auch schon zu spät. stille im volk, keine meldung auf anklopfen hin. kein betrieb am flugloch, keine kamikazeangriffe beim öffnen des deckels. der boden übersät mit toten bienen und varroen. irgendwo dazwischen die königin. wie ein schlachtfeld, dieser anblick…

nüchtern gesehen ist es erstaunlich, was dieser parasit zu wege bringt. einige wochen zuvor war bei einer kontrolle noch nichts davon zu sehen. keine varroen auf bienen (zumindest für mein auge), kaum totenfall am boden. und dann, explosionsartige vermehrung…

was war nun der auslöser? oder warens viele? die hauptversammlung des imker*innenvereins, bei dem ich mitglied bin, brachte einiges zu tage: große verluste bei einigen imkern, 50-60%, einige hatten fast totalausfälle zu verzeichnen. es sei ein schwieriges jahr gewesen, ständig hätte man gegen die varroa behandeln müssen, und sei doch immer einen schritt hinten gewesen. keine guten voraussetzungen für den start in die bienenhaltung. und eigentlich auch nicht die geeigneten rahmenbedingungen für experimente mit neuen haltungsformen. ob nun das vieldiskutierte bienensterben und der einsatz von neonicotinoiden auch etwas zu der misere beigetragen haben, kann ich nicht sagen… bei mir wars hauptsächlich die varroa.

ich will da aber gar nicht die schuld auf äußere umstände schieben. klar, vor 40 jahren wars wohl einfacher, sagen auch die „alten“. ohne varroa, fast ein kinderspiel, kaum pflegemaßnahmen, gesunde völker, guter honig. aber dann kam alles anders…

es werden wohl viele faktoren mitgespielt haben, und ich habe sicher auch viele fehler gemacht. rückwirkend kann ich sagen, ich hätte mehr dahinter sein und die behandlungszeiten genauer einhalten müssen. auch wenn ich diese form der bienenhaltung ablehne, bringt es einfach nichts, wenn im winter alle tot sind. und bis es einmal so weit ist, auch ohne chemie imkern zu können, ist es notwendig. auch hätte ich den schwarm und den ableger von beginn weg und intensiver füttern müssen. juni ist eigentlich ja schon eine hungerzeit, die haupttrachten sind vorbei, gerade in unseren gebieten, wo ja kaum blühende feldfrüchte angebaut werden. und wenn das volk bis zum winter nicht stark genug werden kann, stehen die chancen schlecht. offensichtlich.

wenn ein volk an varroa stirbt, liegts wohl am imker. das ist besonders in dem zusammenhang interessant, als ich in einigen diskussionen immer wieder die meldungen vernehme, man wolle bienen nur zwecks bestäubung und artenbereicherung halten, und eigentlich will man sie auch nicht „halten“, sondern ihnen gemäß ihrer „natur“ ein leben im garten ermöglichen. was auch immer diese „natur“ sein mag… das war vielleicht mal vor 40 jahren. heute finde ich solche aussagen einfach nur respekt- und verantwortungslos. hat ja schließlich nichts mit tierliebe zu tun, das volk in den tod zu schicken.

mag ja sein, dass ich ein wenig übertreibe, vielleicht gibts ja irgendwo sich selbst überlassene völker, die trotzdem überleben. aber sich zu sagen, „bei mir passiert das bestimmt nicht“, kann gewaltig in die hose gehen.

verluste hin oder her. ich muss weitermachen, immerhin habe ich jetzt 6 leere beuten, wär ja schade drum. nein im ernst. so wie zur zeit in der imkerei gearbeitet wird (oder werden muss) fehlt einfach die langfristige perspektive. der einsatz von chemie im stock ist kaum nachhaltig, die reinzuchtbewegung ist ebenso zu hinterfragen, und schließlich stellt sich ja auch die frage, ob man bienen halten will, oder nur varroa bekämpfen. es muss sich also etwas tun.

bis da aber neue wege gefunden werden, muss man wohl auch mit den alten methoden vorlieb nehmen, nicht ohne sie weiterhin kritisch zu hinterfragen. und schritt für schritt geht es vielleicht in eine bessere bienenwelt…

Dieser Beitrag wurde am 12. März 2013 um 10:44 veröffentlicht. Er wurde unter Uncategorized abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

5 Gedanken zu „ein neues jahr…

  1. Martina Steinacher sagte am :

    Juhuuuuuu, endlich wieder was zu lesen.
    Ich freu mich. Gib nicht auf, auch wenn der weg lang ist ;) ich bin mir sehr sicher du schaffst es!

  2. Oh, wie traurig! Wir hatten das ja im letzten jahr- aber auch jetzt ist der Käs‘ noch nicht gegessen- unsere Bienen leben noch, aber jetzt dieser heftige Wintereinbruch, kein Frühling weit und breit- wir hoffen und bangen noch, daß es so bleibt.
    Ja, es ist wirklich gruslig, vor so einem Massengrab zu stehen und es ausräumen zu müssen- ich wünsche Dir/ Euch, daß Ihr nicht verzagt!
    Habe ein bißchen von Eurem Hof gelesen- das hört sich ja extrem spannend an, da sag ich mal: guten Start!!

    • ja, das erste jahr ist für viele die größte hürde, kommt mir vor. hab ich schon oft gelesen… wir haben auch grade wieder winter, es schneit im moment, nachdem wir schon 18 grad hatten letzte woche… aber es wird weitergehen, ich hoffe nur, dass genügend schwärme abfallen, immerhin waren die verluste in der region enorm…
      lieben dank! ist auch wirklich ein spannendes projekt, und die mitglieder sind hoch motiviert! könnens kaum erwarten, dass es endlich wärmer wird…
      ligru, max

  3. Caro sagte am :

    schön dass du mit vollem eifer, herzen und verstand dabei bist – was anderes hätt ich mir auch nicht erwartet ;) good luck weiterhin!

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